Handbuch


Wunschdenken

Eine Aussage mit dem Wunsch nach ihrer Wahrheit begründen.


Wunschdenken bezeichnet die Wurzel einer Überzeugung in einer Hoffnung oder einem Bedürfnis. Das kann offen argumentiert werden, liegt aber häufiger versteckt und dem Anwender selbst verborgen. Erkennbar ist es oft durch die Verwendung des Konjunktivs – es wird beschrieben, wie etwas sein sollte, oder wie es gewünscht wäre, nicht, wie es tatsächlich ist. Das ist nützlich für die Formulierung von Zielstellungen, darf aber nicht mit einer Beschreibung der Gegenwart verwechselt werden.

Unbewusstes Wunschdenken äußert sich auch im Vermeiden der Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, Unrecht zu haben. Irrationaler Zorn und Unverständnis (→Ignoranzargument) gegenüber anderen Meinungen kann darauf hindeuten, dass jemand starke psychologische Motive für einen Standpunkt hat. So ist die eigene Identität und Rolle, in der sich jemand sieht, oft an ein bestimmtes Weltbild geknüpft. Wird dieses argumentativ angegriffen, beschädigt das auch das positive Selbstbild und wird daher persönlich genommen.

Oft zeigt sich Wunschdenken als Optimismus, doch auch Schwarzmalerei kann eine positive Selbsteinschätzung bewahren. Wird ein negatives Ergebnis aufgrund der äußeren Umstände von Anfang an postuliert, muss die Ursache für Scheitern nicht in eigenem Versagen gesucht werden. Auf diese Weise wird aus Selbstsabotage eine selbsterfüllende Prophezeiung, die die Ursache für Fehlschläge überall, nur nicht in der eigenen Person sieht.


Wann wendet man das an?

Ist man auf eine emotionale Wirkung aus, fungiert Wunschdenken als →Suggestion. Zur Verbesserung der Moral kann Wunschdenken Optimismus und Motivation verbreiten, wenn es als positive Zielvorstellung formuliert wird. Um sich über Absichten und gemeinsame Ziele zu verständigen, ist es unvermeidlich. Geht es darum, Maßnahmen zu bestimmen, diese Ziele zu erreichen, hat es jedoch ausgedient.


  • „Das ist doch völlig unnötig, wir sind doch alles erwachsene Leute.“
  • „Er wird schon wissen, was er tut.“
  • „Das sollten wir auch ohne Hilfe hinkriegen. Das wäre ja noch schöner.“

Was tut man dagegen?

Der Gegensatz von Wunsch und Wirklichkeit muss da, wo er erkennbar ist, aufgezeigt und benannt werden. Deckt sich die Wunschvorstellung des Gegenübers mit der eigenen, kann sie als Leitbild verstanden und in Folge dazu dienen, Wege dahin zu finden. Tut sie das nicht, kann ihr ein eigener Wunsch entgegengestellt werden.

Zeigt sich der Gesprächspartner emotional stark involviert in das Gespräch, ist es hilfreich, die Motivation hinter dem Wunschdenken näher zu betrachten. Welches Bedürfnis wird durch die Überzeugung gestillt? Kann man seinem Gegenüber die eigene Meinung dessen persönlichen Wünschen entsprechend schmackhaft machen, ist die Aussicht auf Überzeugung deutlich höher.


  • „Warten wir es ab.“
  • „Das hättest du wohl gern.“
  • „Schön wär's. Das Leben ist aber nun mal kein Ponyhof.“